· 

Von kalten Fingern und Schuhe schnüren

Morgenstimmung
Morgenstimmung

Die Nacht war kalt und ich musste meinen Quilt immer wieder enger um mich wickeln dass mir warm genug war. Immer noch hätte ich aber einen Longsleeve und eine Rettungsdecke zur Verfügung gehabt.

Es war aber, wie immer bei mir, eine Sache von wenigen Minuten ja gar Sekunden, bis ich eingeschlafen bin.

Am Morgen bin ich zu einem wunderschönen Sonnenaufgang aufgewacht. Das Gras und mein Zelt war nass und sogar etwas gefroren.

Wenn ich das Wissen und die Möglichkeit hätte was zu erfinden, dann wären das beheizbare Zeltstangen. Obwohl ich mittlerweile weiss, dass ich erst alle Klickschnallen am Rucksack und von den Drysäcken verschliesse und mir die Schuhe mit den noch einigermassen warmen Händen schnüre, bevor ich mich ans kalte und nasse Zelt und dessen Stangen mache, hasse ich das Gefühl von so kalten Händen, die so taub sind und in diesem Moment sogar ein wenig nutzlos erscheinen.

Ich packte meine Sachen zusammen und wärmte mich bald mit zügigem laufen auf. 

Ich bin dieses Mal stoveless unterwegs, d.h. ohne Gaskocher. In der Schweiz ist es ja normalerweise kein Problem irgendwo einen Kaffee zu bekommen. Nicht so aber in der Corona Krise. Alle Restaurants haben geschlossen und wenn es in den kleinen Dörfchen einen kleinen Laden hat, ist dieser ebenfalls geschlossen.

Ich habe genug Essen bei mir, jedoch was warmes zwischendurch wäre halt schon toll. Gerade wenn die Nächte so kalt sind. 

Die Gegend ist aber wunderschön. Auf dem Weg runter nach Soubey konnte ich erkennen, dass ich wohl jetzt von der Sonne Seite runter in den Nebel wandern musste. Kalt, neblig aber irgendwie mystisch war die Stimmung in Sobey. Ich gebe mich voll meinen Emotionen hin. Höre Podcasts die mich berühren. Immer schneller komme ich in diese "gspürige" Phase.

In der Natur bin ich sensibler, aufmerksamer und verletzbarer und das gefällt mir irgendwie...

Immer schneller komme ich in diese Trance die ich auf dem PCT zum ersten Mal so richtig erfahren durfte. 

Ich als Selbsthilfe-Hobby-Psychologin schliesse daraus, dass ich sehr bei mir selber angekommen bin und somit irgendwie im Frieden mit mir und der Welt stehe.

Wieder folge ich dem blau-grünen Fluss, der Doubs. Auf einem schöner Uferweg, durch nasses Gras vorbei an wenigen Brücken.

Tatsächlich ist mir dabei ein anderer hiker mit einem grossen Rucksack und einem Mätteli gekreuzt. 

Wir lächelten uns nur an und liefen aneinander vorbei...

Ich bin also nicht die Einzige die aus der Not eine Tugend macht, dacht ich mir...

Bei dem ebenfalls geschlossenen Restaurant Moulin Jeannottat bog der Trail dann nach links ab und begann stark zu steigen an. Allerdings war dieser Aufstieg wenn auch ein wenig nass und rutschig, sehr beruhigend, angenehm und mystisch.

Gefühlte 4x dachte ich, ich hätte diesen Hügel endlich geschafft als ich dahinter einen weiteren erkannte den es zu bezwingen gab. 

Ich mag den Jura sehr. Jedoch sind die Aufstiege manchmal fast anstrengender als auf einen "richtigen Berg" und dann ist man trotzdem nur auf so einem "Jura-Hoger"...

Irgendwann kam ich aber dann tatsächlich oben an und endlich konnte ich die Sonne geniessen. Ich setzte mich auf Baumstämme, packte mein Zelt aus und liess es von der Sonne trocknen....Ich meinerseits verpflegte mich mit meinem letzten Getreideriegel, einem Apfel und Wasser.

Heute musste ich wirklich einkaufen können. Ich wusste aber das in wenigen Kilometern Saignelegier kommen würde und dank Google wusste ich auch, dass es dort ein Coop,Migros und Denner geben würde. Also alles easy...

Nachdem all meine Sachen trocken waren, lief ich wieder weiter bis ich ins kleine Dorf Les Pommerats kam, wo der Trail aber dann schon vor dem kleinen Ort nach links verlief und  mich durch eine wundervolle Wald-Wiesen Landschaft führte.

Und ehe ich mich versah, war ich dann auch schon in Saignelegier angekommen. Kaufte mir im Coop alles was das Herz begehrt und sitze nun in der Sonne und geniesse das Leben.


Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Franz u Christina (Donnerstag, 19 März 2020 20:24)

    Häb e ruhegi, warmi Nacht! ��