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Und die Nacht gehört Dir...

Wir stellen unser Zelt zwar nahe bei der Autobahn und am Seedamm allerdings war unser Plätzchen doch einigermassen ab vom Schuss und fühlte sich sicher an.

Zum Znacht gabs ein feines Fondue wie es schon fast Tradition ist. 

Trotz Supermond dunkelte es recht schnell ein und wir legten uns schlafen.

Tief und fest schlief ich als ich ein Auto vorbei fahren hörte. Es hupte und ich dachte mir noch nicht viel dabei. Wenige Minuten später hatte ich den Schock meines Lebens. Das Auto fuhr ganz langsam an uns vorbei und ich dachte es sei vielleicht Jemand der uns "nur" wegjagen wollte. Dann hörte  ich aber etwas aus Zelt knallen. Genau auf meiner Kopfhöhe.

Ich schrie auf vor lauter Schreck. 

Was war das? 

Ein Stein? 

Adrian und ich waren wie erstarrt und verschlafen. Wie hörten Gelächter aus dem Auto und ein bald darauffolgendes wegfahren. 

Es brannte nichts und bis jetzt ist  auch noch nichts explodiert. 

Ich schaue auf die Uhr. Es war  erst 1.00 Morgens. Unruhig aber irgendwie dösten wir nach diesem Vorfall wieder ein ohne nachzusehen was der Gegenstände war. 

Etwas später hörten wir wieder ein Auto vorbeifahren, dachten jedoch es sei bestimmt ein anderes. Das Auto kann aber wieder zurück und diesmal wurden mehrere Gegenstände auf unser Zelt geworfen.

Noch immer wussten wir nicht was es war. Ich wusste nur unter Umständen könnte dies gefährlich sein. Eben falls die Gegenstände zum Beispiel brannten. 

Diesmal waren wir einigermassen parat. Unsere Stirnlampen waren ready und wir schnellen hoch. Das Auto war allerdings schon wieder weg.

Noch nie hatte ich so Angst in einem Zelt. Und ich hab ein halbes Jahr mehr oder weniger bei Bären übernachtet auf dem Pct.

Im Gegensatz zu den Teenies die wir sich herausstellte Wasserflaschen auf und warfen, sind Bären aber  richtig intelligent. 

Man ist so schutzlos ausgeliefert in einem Zelt. Ich sage immer es braucht so viel Mut auf ein Zelt zuzugehen um zum Beispiel die Wildcamper zu vertreiben, denn du weisst nicht wer im Zelt ist und ob sie vielleicht sogar bewaffnet sind. Menschen die oft wildcampen haben auch  eine ziemlich hohe Angstschwelle. Es zeugt aber nicht gerade von vorhandenen Eiern aus einem fahrenden Auto Gegenstände auf ein Zelt zu werfen, wie ich finde.

Wir diskutierten was wir wohl jetzt am besten tun würden. Ich wusste, ich würde hier garantiert kein Auge mehr schliessen heute Nacht. Denn wer weiss was die nächste Idee der Teenies ist. Vielleicht irgendwelche Feuerwerk auf unser Zelt zu schmeissen. Wir kochen und eine warme Schokolade um den Auto nochmals abzupassen, wenn es dann nochmals kommen würde. Mach einer weiteren Stunde allerdings, beschlossen wir unsere Sachen zusammen zu packen und nach Altdorf zu wandern.

So standen wir dann also um 3.45 vor dem Tell Denkmal. Weniger Menschen als jetzt hast du dort wohl nie... 

Kurz nach 4.00 waren wir dann am Bahnhof von Altdorf angelangt. Mit der Hoffnung auf ein WC oder vielleicht sogar einen Warteraum. Allerdings ist der Bahnhof Altdorf im Moment gerade in Umbau und weder noch ist zu finden. 

Jedoch ein Coop Pronto welches um 5.00 aufmachen wird. 

Tragischerweise waren wir durchfrorenen, verschüpften hiker nicht einmal die Ersten, die das Pronto dann nach der Öffnung stürmten, es war Herr und Frau Quarantäne-Schweizer welche unbedingt um 5. 00 Morgens den Blick kaufen mussten....  

Mindestens schon das Zweite Mal seit Heute Mitternacht, hinterfrage ich die Menschheit... 


Wir beschlossen den Bus bis nach Erstfeld zu nehmen. Wir gaben Raphi unsere Planändreung durch und er konnte nur wenig später ebenfalls in Erstfeld sein. 

Am Bahnhof fanden wir dann sogar eine Toilette und die nette Dame vom Kiosk war bereit unsere Handys für eine kurze Zeit aufzuladen. 


Kurz darauf stief Raphi aus dem Zug und wir  wanderten um ca. 7. 30 los. 

Erst noch weiter flach der Reuss entlang. Als wir dann gefühlt genau unter dem schattigen Bristen standen, begann der Trail zu steigen an. 

Alles im Schatten und wir sahen, dass wir noch lange im Schatten sein würden. 

Das Tal wurde immer enger aber die Wanderung war trotzdem schön. 

Kurz vor Wassen haben wir dann die ersten Sonnenstrahlen ergattert. 

Die Wanderung erinnert mich immer ein bisschen mehr an die Südrampe im Wallis. 

Es ist Karfreitag, es ist strahlend schönes Wetter und die Gotthard-Autobahn ist leer. 

2020 what a year... 

Schon waren wir in Göschenen angekommen wo wir vor dem Aufstieg der Schölenen-Schlucht noch eine M&Ms-Pause machten. 

Der Trail führt mehr oder weniger der Strasse nach Andermatt entlang. Auch dort: so wenige Autos sind sonst wohl nie unterwegs. 

Vorbei an der Teufelsbrücke und dann wären wir schon oben in Andermatt. 

Es war eine tolle Wanderung und all die Tage hatten wir schönstes Wetter und wieder neue Ecken der Schweiz kennengelernt und viel erlebt. 

Nach diesen Kilometern und mit solch toller Kompanie schmeckt das Panache oben in Andermatt einfach herrlich. 

 


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