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Man war auch dort, wo man mit dem Bike war oder?

Mit dem Fahrrad durch Afrika…

…ich habe mich in diese Idee verliebt und das obwohl ich eigentlich gar nicht so gerne Fahrrad fahre oder mich bis anhin jedenfalls nie so richtig mit einer Veloreise auseinandergesetzt habe.

Zwischendurch schaffte ich es, meinen Arbeitsweg von ungefähr 26 Kilometer und 900 Höhenmeter (hin und zurück) mit dem Velo zurückzulegen. Nie in meinem Leben war ich allerdings weder im Besitz eines teuren, vollgefederten Mountainbikes noch eines schnellen Rennvelos.

Afrika faszinierte mich schon immer und da es nicht unbedingt gut möglich ist, durch den Kontinent und dessen Länder zu laufen, mangels Wanderwege und unglaublich langen Strecken ohne jegliche Zivilisation war die Idee mit dem Velo urplötzlich einfach da. In meinem Kopf. Sowie damals der PCT.

Mit dem Velo kann man relativ einfach, lange Strecken zurücklegen.

Ich begann zu googlen an. Die nächste Idee war geboren; ich will nichts Neues kaufen. Alles Second-Hand.

Ich kaufte mir also den Hauptgegenstand, das Bike für 300 Franken nach einer kurzen Besichtigung. Die Altras habe ich auf dem PCT ja schliesslich auch nicht eingelaufen. Man muss auch mal auf etwas vertrauen und es einfach Mal probieren.

Einen Gepäckträger war schnell gefunden und eine Tasche auch. Einige Sachen waren bereits in meinem Besitz und andere habe ich mir via Tutti und Ricardo zusammenbestellt.

Ich finde den Gedanken grossartig Dinge wieder zu verwerten und wer mich kennt weiss, dass ich Retro Sachen liebe.

Sobald ich mein Vorhaben mit Anderen geteilt hatte, kamen natürlich auch schon die ersten Verbesserungsvorschläge und Tipps. Jeder weiss es besser, aber niemand hat jemals etwas Vergleichbares gemacht.

Nicht falsch verstehen, ich bin offen für Tipps, allerdings nicht von Menschen, die auf DMAX Bear Grills schauen, das krasseste was sie aber je in Sachen Outdoor gemacht haben ist ein Raclette auf einem Kerzen-Rechaud von Betty Bossy auf ihrem Grossstadt-Balkon.

Hätte ich auf andere gehört, hätte ich mich in so einigen Dingen verunsichern lassen, als ich mich auf den PCT vorbereitet habe. Ich wäre wahrscheinlich gar nie losgelaufen, weil mein Rucksack der falsche und eh viel zu schwer war. Ich hätte ein anderes Zelt kaufen müssen, wäre verhungert und beim hitchhiken vergewaltigt worden.  Den GR20 wäre ich in Wanderschuhen gelaufen wegen all den „Meitschi man zieht anständige Schuhe Schuhe an“-Menschen, die mir reinredeten. 

Hätte ich auf Andere gehört….Wo wäre ich geblieben? Man weiss es nicht. Aber sicher ist, ich hätte nicht so viele wilde Stories zu erzählen.

„Weisst du, das ist dann nicht so wie in der Schweiz“

„Ich hab Mal einen Bericht gesehen“

„Was mit diesem Fahrrad?“ Wäre ein Renn, City, Mountain, Elektro, ich für ein Velo nicht viel besser?“ Oder selbstverständlich ein offizielles Touring-Bike?

„Wieso alles Second Hand?“ (95 % aller Menschen verstehen meinen Sinn für Wiederverwertung und Retro-Liebe nicht und denken einfach, dass ich mir Neue Sachen nicht leisten kann)

„Afrika ist gefährlich“ 

„Dort gibt es gefährliche Tiere“

„Die haben keine Strassen dort“

"Die haben schlechte Strassen dort"

"Die Strassen sind echt krass befahren dort"

und mein absoluter Liebling ist natürlich „als Frau, alleine?“

Ich war noch nie in Afrika und ich habe noch nie eine längere Radtour unternommen, aber ich habe einen riesigen Vorteil.

Ich kenne mich und meinen Körper und weiss was ich aushalten kann. Ich erwarte nicht das Perfekte, sondern kann das Unperfekte geniessen.  

Ich werde Pannen haben, klar.
Ich werde mich verfahren. Mit Sicherheit.
Ich werde in gefährlich Situationen kommen. Ich werde fluchen.  Kein Zweifel.

Dafür werde ich mir nie ein Raclette auf einem Betty Bossy Ofen machen müssen….

Nachdem ich die Idee in meinem Kopf etwas reifen gelassen habe, erfragte ich meinen Arbeitgeber um erneuten Unbezahlten Urlaub.
Welcher Arbeitgeber genehmigt einem den schon Zwei Unbezahlter Urlaub innerhalb von Vier Jahren?
Meiner tut es! Entweder bin ich also voll gut oder die sind einmal mehr froh mich ein halbes Jahr los zu sein. Ich tippe ja auf Letzteres...
Von November 2021 bis März 2022 habe ich den Urlaub nun bestätigt. Mit meinen regulären Ferien werde ich diese Fünf Monate zu einem halben Jahr aufstocken.

Wie bereits für den PCT allerdings, wäre ich auch bereit gewesen, meine Arbeitsstelle zu verlassen. Es braucht Mut seine Träume zu verwirklichen. Aus vollster Überzeugung kann ich sagen, dass es sich egal wie das Ganze ausgehen wird, lohnt. Es lohnt sich IMMER für seine Träume zu kämpfen und vor allem sie zu zulassen. Oft scheitert es nämlich schon daran…

Im Moment bin ich bei der "Planung" des Projekts. Vom Äquator bis runter ans Cape Town ist der grobe Plan. Durch die Länder Kenia, Tansania, Sambia, Simbabwe, Botswana und Südafrika. 
Ich lese mich ein über Flora und Fauna, die Sprachen, die Währungen, die Gefahren und die Menschen. Es fühlt sich anders an als die Planung des PCT's. Damals wollte ich es unbedingt zu Ende bringen und in Kanada ankommen. (Dies war jedenfalls meine Einstellung als ich gestartet bin). Nun ist es so, dass ich einfach ein halbes Jahr Abenteuer suche. Der Weg ist sekundär und anders als auf dem PCT auch nicht vorgegeben.


Vor allem freue ich mich auf die Tiere und Menschen denen ich begegnen werde. Den Schweizer Winter an der Wärme zu überbrücken hindert mich auch nicht gerade an meinem Vorhaben. Am meisten aber, freue ich mich auf die Zeit im Sattel mit mir selbst.

Es ist nötig...

Heute ist es nämlich genau Drei Jahre her, als ich in Campo losgelaufen bin. Ein toller Tag um meine neuen Träume weiter zu träumen...