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Mzungu in Nairobi

Biker Buddys vor meinem BnB
Biker Buddys vor meinem BnB

Nach cirka einem Jahr Vorbereitung. Ist nun wirklich der grosse Tag meiner Abreise gekommen. 

Die letzten Wochen verbrachte ich vor allem mit Verabschiedung meiner Freunden, Arbeitskollegen und meiner Familie. Alle mussten mir schliesslich noch was auf mein Crappy-Zelt malen. Schon jetzt ein Meisterwerk mit unglaublich viel Charakter. 

Irgendwie wendete sich bei meinen Vorbereitungen alles zum Guten. Endlich ergatterte ich sogar eine Kiste für Arby.  (165 x 85 x 28) Mit etwas Pufferfolie und meiner Liegematte passte sie haargenau um Arby mit abmontiertem Vorderrad  und Pedalen zu verstauen. 

Letzte Hürde vor der Abreise: Covid Test... Zu meinem Erstaunen konnte ich den PCR Test sogar als Spucktest durchführen lassen. 

Das wichtigste ist aber, dass ich nur gerade 12 Stunden später ein negatives Testergebnis vorliegen hatte. 

Nun steht meiner Reise also definitiv nichts mehr im Wege. 

Ich verliess meine Wohnung wie immer, setzte mich in mein Auto und fuhr weg. Wie immer. Erst auf halber Strecke, kam mir dann der Gedanke, dass ich nun für Sechs Monate nicht mehr in meinem Bett schlafen werde. Naja, jetzt ist es auch zu spät für solche Gedanken... Weg damit... 

Das Hauptgepäck und Arby in the box sind nun schon seit einer Woche bei Michel in Birr untergebracht. Das Angebot von ihm mich zum Flughafen zu fahren nahm ich gerne an. Schliesslich geht mein Flug bereits um 7 Uhr morgens und bekanntlicherweise ist eine so frühe Anreise vom Ort an dem ich wohne zum Flughafen Zürich nicht ganz einfach. 

Auch am Tag der Abreise, war ich immer noch ruhig und so gar nicht nervös. Das erste Flughafen Symbol auf dem Autobahnsignalschild...? Immer noch die Ruhe selbst... Arby auf dem Trolley beim Check in... ? Easy... Beim Security?... Fast alles gut.... Auf dem Gate...? Alles Okay... 

Spätestens wenn ich auf dem Gate sein werde, so dachte ich, dass dies der Moment sein würde in dem ich alles hinterfrage...Aber auch dann war ich keineswegs aufgeregt. 

Nur als das Flugzeug dann abhob, realisierte ich, dass es nun Ernst ist. Heute Abend werde ich in Nairobi sein. Ich verspürte aber immer noch keine Zweifel oder Nervosität sondern nur pures Glück und Dankbarkeit. 

In London Heathrow ist die Security noch genauer als in Zürich. Jedenfalls mein erster Verlust: Minus 1 Deo, ein Feuerzeug und mein kostbares Haaröl....

Nun wieder auf dem Gate, diesmal am Heathrow... Nein immer noch alles im Grünen... Vielleicht Mal einen Kaffee... Zwischendurch einen warmen Gedanken an Arby in the box und ein kleines Stossgebet, dass er unbeschadet in Afrika ankommen wird. Er muss sich fühlen wie ein Säuli, das zum Schlachter gefahren wird. Er hätte sich wohl niemals erträumen lassen, dass er so früh in Afrika endet. Ach Arby, wenn Du nur wüsstest, dass dies nicht Deine Endstation sein wird... 

Als ich dann im Flugzeug von London nach Nairobi sass, und  zum Fenster rausschaute als wir über das Nil-Gebiet flogen und später über den Sudan, sah ich erstmals die Weiten von Afrika. Über eine Stunde flogen wir über einsame Sanddünen ohne auch nur eine Strasse oder Haus zu entdecken. This is serious guys... Wenn meine, noch immer ungeklärte Route auch so ist? Zugegeben einige Zweifel waren wohl dabei, jedoch grinste ich auch ständig vor mich hin... Wie zum Teufel bin ich auf diese hirnrissige Idee gekommen mit dem Velo durch Afrika zu fahren? 

Das Gute an fliegen ist, dass man nicht so einfach aussteigen kann. Und dann wäre ja noch meine Höhenangst.  Somit blieb mir nichts anderes übrig als bis Nairobi zu fliegen. 

Ca va aller... Tatsächlich nach der grimmigen 

Passkontrolleurin und wieder Mal einer Covid-Schleuse waren meine Sakoschen bereits auf dem Gepäckband. 

Nun fehlte nur noch Arby... Auch der kam wenige Minuten später beim Sperrgepäck.  Ich war erleichtert als ich sah, dass die Kiste völlig unbeschädigt war. So kann Arby gar nichts passiert sein. 

Ich war also in Nairobi und entgegen all meinen Erwartungen sogar mit all meinen Sachen. Der Security organisierte mir gleich ein Taxi, welches mich dann für umgerechnet 24 Franken zu meinem BnB fuhr. Es stimmt also, was alle über afrikanische Strassen sagen... Bereits in Nairobi sind sie nur noch selten asphaltiert. Überall Schlaglöcher und schon in der Nacht ist der Fahrstil der wenigen Autos bedenklich. Etwa um 11 Uhr Abends erreichte ich Annie's house. Meine Gastgeberin ist aber nicht Annie sondern Marie. Es ist eine typische Kenianerin in einem bunten Kleid. Ich schätze sie nicht viel älter als ich. Sie begrüsste mich herzlich und zeigte mir mein Zimmer. Ihre Wohnung ist zwar nicht riesig, jedoch hat sie Zwei Zimmer zur Vermietung. Es ist ein guter, sicherer Start für meine Reise. 

Ich durfte Arby in the box sogar mit in mein Zimmer nehmen und als ich dann so im Bett lag, und um mich schaute, In meinem Zimmer nicht mehr als ein Bett, ein afrikanisches Bild und mein Gepäck war ich einfach nur glücklich. 

Marie machte mir ein unglaublich grosses und leckeres Frühstück mit afrikanischem Tee. Herrlich. 

Mein heutiger Plan war heute: Arby zusammenzuschrauben und in einen Supermarkt zu fahren, um mich nach einem Gaskanister umzuschauen. Es ist verboten die Gaskartuschen im Gepäck aufzugeben und da ich mich ja an die Regeln halte... 

Ich vermutete aber bereits erste Probleme beim Beschaffen von Gas. Ich hörte von Leuten die ähnliches in Afrika machten, die Schwierigkeiten hatten, Gas kaufen zu können. 

Arby war wie vermutet total unversehrt in der Kiste. Bereits als ich die Kiste zu öffnen begann wurde ich mit einer Mischung aus Skepsis und Interesse von Kindern und anderen Bewohner des Wohnomplexes beobachtet. Als dann Marie wieder zu mir stiess und voller Euphorie zu jubeln begann, kamen einige dieser Menschen zu mir und Marie erzählte Ihnen voller Stolz was ich vorhätte. "Good luck" und "I won't try that" waren einige Antworten darauf. 

Arby würde aber sehr bewundert und bekam einige Komplimente. 

Als die Good Luck- und I won't try that- Männer dann mein Werkzeug und wie ich damit Arby zusammenschraubten sahen, fanden sie meine Idee plötzlich cool und waren ehrlich interessiert. Während meines ersten Test Versuchs auf dem Vorplatz des Wohnkomplex wurde ich von Kindern wieder fasziniert beobachtet. Was macht diese Weisse wohl auf diesem Bike? Ich fragte Marie wo und wie ich meine Box wohl entsorgen werde... Sie sagte, "stell sie einfach vorne an die Strasse.."

Ach ja, muss mich nur noch an den African way gewöhnen. Dann sagte sie, ich könne die Box auch gerne hier lassen sie könne sie gut gebrauchen. problem gelöst also... 

Ich fragte Marie nach der nächsten Mall und ob ich dort wohl Gas bekommen würde. Sie empfahl mir die Gateway Mall und war guter Hoffnung wegen dem Gas. Ich hatte die Mall bereits vorher gegoogelt und sie war nur Vier Kilometer entfernt. 

Dies würde gleich ein guter Test für mich und Arby sein die Strassen Kenyas kennenzulernen. OK es ist Linksverkehr. Ich war links und trotzdem kamen mir wildumherfuchtelnde Motorräder entgegen... Mir wurde ununterbrochen gehupt, Lufküsse geschickt, Mzungu (Weisse/Wandernde) how are you hinterhergerufen...

Man gewöhnt sich an alles, versuchte ich mir einzureden und tatsächlich schon nach wenigen Kilometer fuhr ich viel sicherer über die Strassen Kenyas. 

Die Mall war einfach zu finden. Allerdings machte ich erst noch einen Abstecher über den Strassenmarkt draussen. Die Strasse war nicht mehr  asphaltiert und ich war voller Staub. 

In der Mall bemerkte ich, dass die oberen Stockwerke alle geschlossen hatten. Erst jetzt kommt mir in den Sinn, dass es ja Sonntag ist. 

Der Supermarkt war aber offen und ich kaufte mir einige Früchte, ein Haaröl und ein Deo. Nur Gas habe ich immer noch keines... 

Nun heisst es wohl "cold soaking" für mich. Also das Essen kalt über mehrere Stunden einlegen... Mal sehen....Der Weg zurück hab ich auch problemlos gefunden und Marie offerierte mir, Arby wieder mit rein zu nehmen. 

Somit war auch mein erstes Strassen Abenteuer gemeistert und bin gespannt, was mich ab Morgen erwartet. 


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Kommentare: 5
  • #1

    Regula Bühler (Sonntag, 17 Oktober 2021 18:51)

    Wie cool � danke für Dini Idrück u für e Growe wo übere chunnt ✌� viel Spaß u Glück ��❣

  • #2

    Jürg (Sonntag, 17 Oktober 2021 19:38)

    Danke für den ersten tollen Bericht. Good luck ��☀️

  • #3

    Dänu (Sonntag, 17 Oktober 2021 20:54)

    Wirdä diner Brichtä gspannt verfougä!
    Ig wünschä dir viu spass, wunderbari begägnigä u idrück!!
    Gniesses u chum gsund wider zrüg!

  • #4

    Yazid (Sonntag, 17 Oktober 2021 21:50)

    Cooler Beitrag. Weiter so and good look�

  • #5

    Jörg Ehrhardt (Dienstag, 19 Oktober 2021 14:19)

    Danke, dass du uns wieder an deinem Abenteuer teilnehmen lässt. Alles Gute für die Tour uns uns jede Menge schöne Berichte und Bilder!
    Bin schon mächtig gespannt!
    Bleib gesund, du machst das schon!