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Erster platter Reifen nach 1100 Kilometer

Erster platter Reifen
Erster platter Reifen

Ich wachte auf, in der kleinen Lodge in der ich für Heute Abend Unterschlupf fand. Alles war herrlich, bis auf den nervigen Security, der mir die ganze Zeit helfen wollte, obwohl ich ihm versicherte, dass ich keine Hilfe brauche. 

Trotzdem trug er mein Gepäck ins Zimmer, und wollte sogar meine gewaschene Wäsche aufhängen. Finger weg von meinem Icbreaker BH Kollege!!! 

Und dann wollte er natürlich noch Geld dafür haben. 

Ich gab ihm zu verstehen, dass ich ihn nicht zahlen würde, wenn er sich aufdrängte. 

Ich plante für heute nur nach Same zu radeln. Same ist nur etwa 45 Kilometer entfernt. 

Die letzten Tage hatte ich etwas Probleme mit meiner Verdauung. Nicht wirklich schlimm, aber halt auch nicht richtig angenehm wenn man mit dem Velo unterwegs ist. 

Bei einer Tankstelle machte ich Halt und die Verkäuferin Enrika, welche sehr gut Englisch sprach, setzte sich neben mich auf den Randstein und leistete mir Gesellschaft. 

Es gibt sie also doch, die netten Tanzanier. 

Ich fuhr durch eine immer ruhig werdende Landschaft mit immer weniger Verkehr. 

Ich konnte die Stadt Same bereits erkennen und es ging nur noch bergab bis dorthin. 

Starker Gegenwind brachte mich jedoch fast zum stoppen- und das abwärts. 

Als ich in Same eingetroffen bin, machte ich wieder an der Tankstelle Halt um mich zu orten und mich nach einem Platz für die Nacht umzusehen. Ein Typ mit Vier Zehen - (ich konnte einfach nicht mehr wegsehen) hätte mich geheiratet. 

Vielleicht finde ich ja noch einer mit fünf Zehen...? Wer weiss? Jedenfalls gab ich ihm möglichst nett zu verstehen, dass ich doch nun schon seit fünf Jahren verheiratet bin... Scheisse ich brauch nun wirklich bald einen Fake-Ring an meinem Finger. Denn jedesmal wenn ich das sage, werden meine Hände ungläubig nach der kleinsten Handschelle der Welt  abgescheckt. 

Während der Fahrt heute dachte ich, wie sehr ich als Mann hier in diesem Land meinen Frieden gehabt hätte. Vielleicht Hie und Da einen "Mzungu-Ruf" aber das wärs... 

Wieviel weisse Frauen hier wohl schon durchekommen sind? Mit dem Bike? 

Immer wieder versuche ich mir einzureden, dass alles nur Momentaufnahmen sind. 

Ich muss für die Menschen hier DIE Attraktion des Tages, der Woche, ja vielleicht ihrers Lebens sein. Sie werden noch lange von der weiblichen Mzungu berichten, die mit ihrem Bike durch ihr Dorf gefahren ist. 

Sie wissen nicht mit wir vielen Kilometern ich mich schon mit den Belästigungen rumschlage, die selbst sind wahrscheinlich gar nie viel weiter als bis ins Nachbardorf gekommen. Was irgendwie auch was Schönes hat. Finde ich. 

Nur etwas weiter an der Hauptrasse fand ich das Silverbird Motel. 

Wieder einmal ein Zimmer ohne Dusche aber immerhin mit einer Bucket Shower. Das Zimmer war dafür wunderbar gross, dass ich Arby mit reinnehmen konnte.

Zu Fuss machte ich mich auf, um etwas Essbares zu finden für Heute Abend. Ich kaufte mir Bananen und eine Ananas. 

Es war die beste Ananas die ich je in meinem Leben gegessen hatte.

Mein Magen hat sich auch etwas beruhigt. Trotzdem nahm ich mir vor, bis zur Küste schön Pole Pole zu machen. Bis nach Hedaru war nicht Zivilisation dazwischen. Aber eine wunderschöne faszinierende Steppen Landschaft. Vorbei an Melonensträuchern und Bienenhäsuern die in den Bäumen hingen. 

Bei der ersten Lodge die einigermassen einen guten Eindruck machte, bog ich ein und setzte mich auf einen Stuhl auf der Terrasse. 

Eine junge Frau, kam angestürmt und ich fragte sie nach einem Coke. Cocci Cocci... Goody place... Schon öfters ist mir nun aufgefallen, dass die Tanz ziemlich witzig Englisch sprechen. 

Bald hatte ich wieder viele Menschen um mich die mit mir die tanzanische Landkarte studierten. 

Einige von ihnen haben wohl noch nie eine Landkarte ihres Landes vor sich gehabt. 

Ich bin übrigens sehr froh meine Papierkarten mitgenommen zu haben. Den diese bekommt man hier einfach nicht. 

Nema zeigte mir mein Zimmer und ich fand das Angebot gut. Sie legte sich auf mein Bett und ich wollte eigentlich nur Duschen. 

Privatsphäre ist wohl auch hier nicht. sie ist mir jedoch sehr sympathisch. Sie ist 23 Jahre alt und hat einen dreijährigen Sohn. Allerdings ist sie nicht verheiratet. Sie gehört zu den Datogas - eine Abwandlung der Massais die sich um den Lake Eyasi angesiedelt habe. 

Sie komme aus der Region Arusha Mangola würde dort jeweils auf dem Markt Zwiebeln verkaufen. Und im Moment für einen Monat hier in der Lodge aushelfen. 

Als ich aus der Dusche stieg, wartete sie mit feinem Ugali (Maisbrei welchen man mit den Händen isst) auf mich, welches wir dann auf meinem Bett zusammen teilten. 

Sie schenkte mir ein Armband in den Tanzanischen Farben und ich schenkte ihr für ihren Sohn einer meiner Bären. 

Tanzanian Bear is gone now.. 

Ich setze mich wieder nach Draussen zu den Anderen und sie erzählen aus ihrem Leben und Träumen. Francis möchte gerne Hacker werden um mit Computern arbeiten zu können. Ein smarter Junge. Sie sind alle so jung und haben kaum Perspektive.

Kein Computer ist zu sehen Weit und Breit. Alle haben Handys der vorderen Generation, keine Smartphones. Auch das - irgendwie schön. 

Ich merke wiedereinmal wie privilegiert ich bin. Privilegiert in und mit meinem Leben das zu tun, was mich glücklich macht. 

Nema nahm mich mit in ihr Staff-Zimmer, wo auch ihre Zimmergenossin auf uns wartete. Sie schenkten mir ein Oberteil und diverse Massai Ketten. Wir alberten rum und schossen Fotos. Es tat gut mal mit Frauen und nur unter Frauen abzuhängen. 

Etwas später genossen wir Draussen ein Soda. Bereits als ich angekommen bin, sassen zwei Männer dort an einem Tisch und tranken Ein Bier ums Andere. Stunden später, hingen sie immer noch am gleichen Tisch ab. Ziemlich betrunken... 

Besonders der Eine, war mir gar nicht sympathisch. Es war genau so Einer der mir nachpfeiffen würde wie einem Stück Vieh. Völlig respektlos. 

Ich gab vor keinen Alkohol zu trinken als sie mir ein Bier ausgeben wollten und so fanden sie dann die Idee mich in die nächste Bar mitzunehmen doch nicht mehr so verlockend. 

Ich kann mir gut vorstellen, dass die jeden Tag dort sassen und dann in den Morgenstunden völlig betrunken nach Hause führen. 

Auch das gibts wohl einfach überall wos Alkohol gibt. 

Ich fühlte mich aber völlig unwohl an diesem Tisch und war froh, als Nema den Vorschlag machte, wieder in mein Zimmer zu gehen. Als sie dann aber gleich bei mir im Bett schlafen wollte, gab ich ihr freundlich zu verstehen, dass ich gerne etwas Privatsphäre geniessen würde. 

Zu fremder Musik und fremden Gerüchen schlief ich ein. 

Kaum aufgewacht klopfte es schon an meine Tür. Es war - wie könnte es anders sein - Nema. 

Sie nahm mich mit zum Frühstück. Nur einige Schritte von der Lodge entfernt war eine Art Imbiss. Gestern als ich dort vorbei gelaufen bin, hatten sie Chips im Angebot. 

Ich wusste, Nema würde mir sicher etwas Gutes zum Frühstück bestellen. Was die Einheimischen essen, können die Einheimischen schliesslich auch am besten zubereiten. 

Die afrikanische Küche ist jedenfalls wie für mich gemacht. Ich liebe den Reis, die Bohnen, die Chapatis und vor allem die Früchte und das Gemüse und die Art wie die Afrikaner all das zubereiten. 

Heute probierte ich also wieder etwas Neues. Mtori, ist eine Art Suppe aus Bananen. Es ist aber tatsächlich eher ein salziges Gericht. Ich würde sagen es waren auch noch Kartoffeln, anderes Gemüse und Fleisch in der Suppe. 

Dazu ein Chapati. Mmmmh so lecker und es stärkte mich für den heutigen Tag. 

Leider war ich aber den ganzen Tag etwas entkräftet und wollte auch nie so richtig wach werden. Nach 15 oder 20 Kilometern hielt ich am Strassenrand an um bei dem einsamen Getränkestand Wasser zu kaufen. Er hatte sogar Bänke aufgestellt. Jedoch war ich alleine dort als ich ankam. 

Ich setzte mich also auf einen dieser Bänke und trank erstmal mein restliches Wasser. 

Der Getränkeverkäufer - ein Typ in meinem Alter, fragte mich auf Suaheli und paar Wörtern Englisch wo ich herkomme und wohin ich gehe. Ich antwortete ihm auf Englisch und paar Wörtern Suaheli. Ein kleines Welplein kam auf mich zugehumpelt und als ich es zu streicheln begonnen habe, kamen ebenfalls die beiden Kinder mit ihren tollen, selbstgebastelten Ketten aus bunten Petflaschendeckeln. 

Kinder sind so wunderbar. Ohne einander sprachlich zu verstehen, setzten sie sich einfach neben mich und schwatzen mit mir und ich mit ihnen. 

Wir befreiten den kleinen Welpen von seinem viel zu engen Halsband. 

Der Vater rief die Kinder zu sich, drückte ihnen eine Packung Kekse in die Hand, die sie mir bringen sollten. 

Oh wie süss ist das denn? Die beiden Kinder, zwei Hunde, einige Hühner und ich teilten uns die Packung Kekse. 

Man hätte glatt an ihnen erstricken können so trocken waren sie doch, ich war wohl die Einzige die das so empfand. Wieder denke ich an die Schweiz und wie viele Kinder dort die Kekse wohl mit einem verzerrten Gesichtern ausspucken würden. 

Das Mädchen und der Junge kauften genüsslich auf ihnen rum.

Der Vater der Kinder wollte mir die Flache Wasser vor meiner Abreise schenken. Ich hab ihm aber 10000 Shilling also etwa 4 Franken. Dies war mir die angenehme Pause wert. 

Es war wieder heiss und trocken heute und ich freute mich auf Mombo in der Hoffnung dort vielleicht eine Glace zu bekommen. 

Gefriertruhen sind eine Seltenheit hier. In Tanzania habe ich erst eine gesehen und die war in Same. Warum hab ich mir dort keine Glace gegönnt? 

Mombo war ein ebenfalls kleiner Town ohne Gefriertruhe. Gleich am Beginn des Dorfes fand ich eine Lodge wo ich für heute bleiben kann. Das Badezimmer ist typisch Tanzanisch. Plumpsklo, Bucket shower, Kein Lavabo. Zur Abwechslung habe ich heute den Luxus von fliessend Wasser. Es ist jedoch bereits optisch sehr verschmutzt. 

Es scheint generell eine grosse Wasserknappheit zu geben in der Region wo ich mich im Moment aufhalte. Man sieht die Menschen Wasser Kilometerweit zu Fuss auf Motorrädern oder Velos durch die Gegend schleppen. Im einzigen Tümpel an dem ich heute vorbeigefahren bin, wuschen sich die Menschen. Nackt am Strassenrand. 

Ich wachte früh auf heute morgen. Frühstück scheint es hier Keines zu geben. Ich befand mich aber noch am Anfang des Dorfes. Vielleicht bratet schon jemand irgendwelche Chapatis? 

Tatsächlich fand ich etwas ausserhalb des Dorfes ein Restaurant in welchem ich frühstücken konnte. Es war lecker und ich zahlte einer Dame 10 000 Schilling. Retourgeld bekam ich nie, obwohl das Frühstück sicherlich nie so viel gekostet hat. 

Anyway ich wollte nicht bereits am Morgen auf Suaheli diskutieren. 

Ich setzte mich also wieder auf Arby und fuhr weiter. 

Ein Motorradfahrer stoppte mich. Oder er versuchte es zumindest. Ich erkannte ihn an seinem bunten Hemd. Dieser Typ war vorhin auch im Restaurant. Er schrie mir nach ich solle noch mein Frühstück bezahlen.  

Ernsthaft jetzt? 

Nebeneinanderfahrend erklärte ich ihm, ich hätte das Geld einer Frau gegeben. Nie Rückgeld bekommen. Dies sei OK, aber ich werde das Frühstück sicher nicht noch ein Zweites Mal bezahlen. 

Zum Glück glaubte er mir und machte kehrt. 

Etwas weiter merkte ich plötzlich dass ich etwas eingefahren haben muss. 

Die Strasse ist in gutem Zustand und sogar einigermassen sauber. Aber ich hörte wie die Luft aus meinem Hinterreifen wich. 

Was ist das gewesen? 

Es war bereits brütend heiss und kein Schatten in Sichtweite. Mir blieb also nichts anderes übrig als auf dem glühenden Asphalt Arby komplett abzuladen, das Hinterrad abzumontieren und zu flicken anzufangen. 

Es ist ein halbes Fossil, welches im Reifen steckt und ein grosses Loch reinriss. 

Zum Glück hab ich noch diesen Ersatzreifen gekauft in Nairobi, denk ich mir. 

Es war ein Knochen oder Zahn eines Tieres - ich hoffe eines Tieres... Welches in meinem Pneu und Schlauch steckte. 

Wenigstens hatte ich somit keine Mühe die Stelle mit dem Loch zu finden. 

Nach einigen Minuten war der Schlauch geflickt und ich entschied mich den Pneu noch weiter zu verwenden. Mit etwas Tape, habe ich ihn Innen zusätzlich etwas verstärkt. Denn das Loch ist gut erkennbar. Mal schauen wie lange das hält... 

Als ich schon fast fertig war, sprach ein Mann zu mir, der mit seinem Sohn zu mir kam. 

Es war Yusuph. Ein blinder Mann. Er hätte Sieben Kinder 3x Zwillinge. 

Er war nett aber ich merkte bald, dass er Unterstützung von mir wollte. 

So lehnte ich seine Einladung ab, zu sich und seinen Söhnen nach Hause zu gehen. 

Endlich war das Rad wieder montiert und  ich erklärte der Bande höflich ich würde nun leider in die Andere Richtung weiterfahren. 

Dies wurde akzeptiert. Hilfe darf man keine Erwarten, aber genügend Neugierige Blicke. 

Nur etwas weiter, fuhr ich einem Fluss entlang. Zum ersten Mal. Ich konnte es nicht lassen, dort kurz zu stoppen. 

Die Menschen wuschen sich und ihre Kleider dort und füllten zugleich ihre Gelben Eimer, die sie zu Hauf auf ihren Motorräder und Velos transportieren. 

Es ist nicht mehr so weit bis nach Korogwe und es sieht aus wie ein einigermassen grosses Dorf. 

Ich hielt schon zu Beginn des Dorfes an und war etwas enttäsucht. Auch hier nur wenige Stände, viele neugierige Blicke aber ganz sicher keine Gefriertruhe. 

Ich kaufte mir eine - immerhin kühle- Fanta und setzte mich vor dem Laden auf die Treppe im Schatten. 

Kaum hingesetzt, setzte sich einer neben mich so dass unsere Schultern sich berührten. 

In meiner Muttersprachle und einem giftigen Blick gab ich ihm zu verstehen, dass ich einfach nur bitte hier sitzen und meine Fanta trinken will. 

Er blieb. 

Innerlich musste ich lachen. Die Menschen sind wie Fliegen und ich wie Scheisse. Überall... 

Glücklicherweise, wurde der Typ dann von einen Kollegen gerufen. Ich verstand, dass er ihm sagte, er solle mich in Ruhe lassen. 

Danke.... 

Auf Google Maps stellte ich dann fest, dass ich erst ganz am Anfang des Dorfes war und der eigentliche Kern erst noch kommen würde. 

Ich war froh. 

Tatsächlich ist Korogwe ein einigermassen grosses Dorf, wo man alles findet was man  braucht. 

Ich gönne mir heute ein Motel mit einer richtigen Dusche. Wow. 

Sogar einen kleinen Supermarkt und frische Früchte fand ich auf dem Markt. 

Ebenfalls kaufte ich mir ein afrikanisches Kleid. Vielleicht falle ich damit etwas weniger auf? Wer weiss... 


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Kommentare: 1
  • #1

    Jaccard Rachel (Sonntag, 07 November 2021 08:51)

    Ich freue mich so für Dich, dass Du so was geniales erleben kannst! Viel Freude weiterhin, es denken ganz viele Menschen an Dich! Alles Liebi und bis dann���☮️☀️