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Jedä brucht si Insel...

Bootstour auf Zanzibar
Bootstour auf Zanzibar

Noch einen Tag verweilte ich in Daressalam auf meinem Strand-Campingplatz ehe ich die Fähre nach Zanzibar nahm.

Ich versuchte die 9.30 Fähre zu erwischen und nach einem hektischen Billett-Kauf wo ich Arby irgendeinem Fremden zur Überwachung überlassen musste, meinen  Pass einem anderen Fremdrn an einer Kasse - währenddessen mich ein Typ zu einer anderen Kasse führte um die 73 Franken mit der Kreditkarte zu bezahlen, reichte es mir gerade so die Fähre noch zu erwischen. 

Das Gepäck musste ich zweimal demontieren um es wie am Flughafen durchleuchten zu lassen. 

Die Überfahrt dauerte etwa 1 Stunde und 50 Minuten. Es war ein angenehmes Speed Boot. 

Als ich die kleinen Fischerböötchen auf dem offenen, weiten Ozean betrachtete, war ich froh, dass ich mich für den Umweg nach Daressalam entschieden habe und nicht irgendwie versucht habe von Tanga aus auf die Insel zu kommen. 

Als wir angelegt hatten, musste ich eine kleine Immigration ausfüllen. Nun hab ich also auch den Zanzibar Stempel in meinem Reisepass. 

Ich war froh als ich mit dem vollgepackten Arby und im Besitz mit all meinen Habseligkeiten in die Pedale treten konnte um aus dem gröbsten rauszufahren. 

Ich habe gehört, das Bike sei der beste Transport auf der Insel. 

Taxis seien sehr teuer..Kein Wunder, vor allem Stone Town also die Altstadt von Zanzibar ist überfüllt mit weissen Touristen. 

Nur raus hier, dachte ich mir. 

Es war jedoch schwierig ein günstiges Zimmer zu bekommen und so fuhr ich etwas planlos umher. 

Schlussendlich landete ich trotzdem mitten im Stone town in der Touristenmeile mit vielen kleinen Souvenirshops in einem Hostel mit dem Namen Karibu Inn. Es ist unglaublich günstig. Für Vier Nächte zahle ich nur gerade 50 Franken. Ich wohne in einem Sechserschlag, bin jedoch alleine und es macht auch nicht den Anschein als würden da noch viele anreisen. Vielleicht ja am Wochenende. 

Mein Plan hat sich also ein weiteres Mal geändert. Statt mit dem Bike an die Ostkküste der Insel zu fahren, bleibe ich also in Stone town.

Ich habe bereits so viel von Tanzania gesehen und Zanzibar ist so wahnsinnig touristisch, da kann ich auch in Stone town bleiben. 

Ausserdem bin ich immer noch nicht traurig darüber, wenn ich die Möglichkeit habe lecker zu essen und einige Dinge zu besorgen ohne dafür tagelang durch die Steppe zu fahren. 

Ich verbrachte die Tage damit so wie ein richtiger Touri Souvenirs zu shoppen und diese dann wohlverpackt nach Hause zu schicken. Nicht oft, werde ich wohl die Gelegenheit haben, an einem so grossen Ort  Pakete nach Hause zu schicken. 

Ich bin guter Hoffnung, dass das klappt. Die Frau am Postschalter bat mich mein gut zugeklebtes Paket nochmals zu öffnen, damit sie kontrollieren konnte, was sich darin befand. Ich zählte umgerechnet 20 Franken und sie klebte eine Kopie meines Reisepasses darauf und nun ist es glaube ich auf dem Weg in die Schweiz.

*Update: Gerade habe ich die Nachricht bekommen, dass das Päckli unversehrt  nd nach nur 6 Tagen in der Schweiz angekommen ist. 

Viel Zeit verbrachte ich in irgendwelchen Kaffees zu sitzen und die gestressten Touris zu beobachten, die in ihren bunten neu gekauften Kleidern und ihren blonden in Zöpfe geflochtenen Haaren aus einem Tourenboot aussteigen und gerade vom Schildkrötenschwimmen zurückeilten um sich dann für die Full mood Party aufzutackeln. 

Niemand sitzt einfach in einem Kaffee und liest oder geniesst die Aussicht auf das ruhige Meer. 

Ist das überhaupt reisen, was die da machen? 

Die wissen schon, das Zanzibar überhaupt nichts mit Tanzania zu tun hat oder? 

Wahrscheinlich nicht und sie sollen in ihrem Glauben bleiben. 

Tanzania ist nicht touristisch. Tanzania hat noch nie Weisse gesehen. Tanzania ist unglaublich skeptisch und freundlich zugleich. Tanzania sind Chapatis und Chips in Ei hinter zerkratzen Plexiglas.

Tanzania ist heisses Milchwasser in Plastik-Thermosflaschen. 

Tanzania sind Dirtroads voller Schlaglöcher. Tanzania sind Cars mit offenen Gepäckklappen die dich nur um Millimeter nicht entzweischneiden während eines Überholmanövers. 

Tanzania spricht kein Englisch. 

Tanzania sind unendlich grosse Ananasplantagen. Tanzania hat keine Abfalleimer. Tanzania sind bucket shower mit dreckigem, abgestandenem Wasser. Tanzania sind Sandalen aus Autoreifen. 

Tanzania sind unglaubliche Weiten der Landschaft. Tanzania ist wild. Jedenfalls ist das das Tanzania welches ich bisher kennengelernt habe. 

"Mein" Tanzania gefällt mir besser als das hier auf Zanzibar. Jedoch leugne ich nicht, dass es mir guttut etwas hier zu sein. Nicht den ganzen Tag angeschaut und angemacht zu werden. Dinge zu Essen und Trinken die ich kenne und mag. 

Und einfach mal nichts zu tun. Zeit haben. In mich gehen. Denken. 

Nach Vier Tagen auf der insel fuhr ich etwas weiter nördlich in die Lodge welche mein Schulkollege Stefan für weitere Vier Tage gebucht hatte.

Man muss wohl ans andere Ende der Welt gehen um einander wiederzusehen. Wer hätte gedacht, dass wir mal auf Zanzibar am Strand liegen und den Sonnenuntergang bestaunen würden. 

Stefan hat vor einigen Jahren als Volunteer in Tanzania gearbeitet und kam nun zurück um einige Freunde zu besuchen. 

Es tut gut wieder einmal Deutsch zu sprechen. Und erst noch mit Jemanden der Afrika versteht. 

Die Jabar Lodge liegt ebenfalls an der Westküste der Insel. Somit ist das Meer und die Stimmung im Allgemeinen natürlich ruhiger als im Stone town. Es ist eine Art Geheimtipp hier. Die Lodge ist nicht sehr einfach zu finden und besteht eigentlich nur als Vier kleinen Strohhütten fast direkt am Strand. 

Ich wartete mit verschiedenen Aktivitäten, die man in Zanzibar machen kann, bis Stefan da war. So kann man die Erlebnisse und Kosten aufteilen. 

Wir machten einen Besuch auf der Spice Farm. Uns wurden die verschiedenen Früchte und Gewürze gezeigt welche auf der Insel wachsen. Was die Wirkung von ihnen ist und je nach dem wie man sie zubereitet. 

Die Insel ist vor allem bekannt für unserer Weihnachtsgewürze, wie Zimt, Nelken, Kardamon, Kurkuma, Vanille, Pfeffer und Früchte wie natürlich Bananen, Ananas, Jackfruit. 

Zu meiner Schande musste ich mir eingestehen, dass ich von vielen Gewürzen keine Ahnung hatte wie sie wachsen. Um ehrlich zu sein frage ich mich das auch nur selten, wenn man das gemahlene Pulver im Laden kaufen kann. 

Am nächsten Tag machten wir einen Ausflug nach Prison Island. Ein Ausflug der wohl viele Touristen auf Zanzibar machen. 

Es war aber allemal, sehr lohnenswert die Insel, auf der zwar einmal ein Gefängnis gebaut aber tatsächlich nie dafür gebraucht wurde zu sehen. Ursprünglich wurden dort nämlich Sklaven gehalten, bis sie zum Verkauf nach Daressalam, Tanga oder Bagamoyo gebracht wurden. Als die Sklavenzeit dann vorbei war, wurde eben dieses besagte Gefängnis gebaut. Da damals aber gerade viele Krankheiten wie Lepra grasssierten wurde daraus kurzer Hand ein Quarantäne Hotel daraus gemacht. 

Heute kann man dort, die zu einer Bar umgebauten Sklavenkammern besichtigen. Was ein komisches Gefühl ist. Wenn man die Geschichte kennt.  

Ebenfalls auf der Insel Leben etwa 130 Riesenschildkröten. Wir durften die Tiere füttern und beobachten. Sie strahlen eine unglaubliche Ruhe aus. Der tolle Guide der uns auf der Insel begleitete, fragten wir gleich noch ob er uns eine kleine Führung durch Stone Town geben würde. Obwohl ich schon einige Tage dort verbracht hatte, habe ich mich nicht sonderlich um die Geschichte der Stadt beschäftigt.  So konnten wir noch einige Zusatzinformatinen über die historische Altstadt herausfinden. Sehr interessant war zum Beispiel die Sklavenkammern zu besichtigen. Man darf sich gar nicht vorstellen, was und wie das damals abgelaufen sein muss. 

Als Abschluss unseren gemeinsamen Zeit auf Zanzibar gönnten Stefan und ich uns einen Boots-Segel-Schnorchel-Ausflug mit eben Schnorcheln, Essen und der Besuch einer Sandbank im türkisfarbenen Meer. 

Es war ein Tag der sein Geld wirklich Wert war. Von der ersten bis zur letzten Sekunde. 

Wir starteten im Norden der Insel und fuhren in einem Holzboot in CA. Zwei Stunden bis zu einer malerischen, für Touristen nicht zugänglichen Insel mit weissem Sandstrand. 

Sie soll anscheinend im Besitz von Bill Gates sein und eine Nacht im einzigen Hotel dort, soll über 1500  Dollar kosten. 

Unser Boot stoppte und es wurde für uns ein leckeres Mittagessen zubereitet. Danach konnten wir die Korallenriffs und bunte Fische während des Schnorchelns beobachten. 

Ein Wahnsinniges Erlebnis. Auch wenn Schnorcheln einiges mehr an Übung braucht als ich Anfangs gedacht hatte. 

Etwas später führen wir dann zu einer Sandbank, die je nach Flut mehr oder weniger oder gar nicht zum Vorschein kommt. Wir hatten Glück und es war eine kleine Fläche noch komplett frei. Unglaublich die Farbe des Wassers hier. Wie  auf in einem kitschigen Honeymoon-Prospekt... 

Zurück segelten wir dann.  Stefan lenkte uns die ganze Fahrt über sicher in den Hafen zurück. 

Es war ein super Tagesauslug den ich jedem Zanzibar Besucher ans Herz legen kann. 

Die Boots Agentur heist DreamDhow und befindet sich ganz im Norden von Zanzibar. Und wenn jemand eine Bleibe sucht, die nicht gerade an einem bekannten aber wunderschönen Strand liegt und nicht mit Touristen überrennt ist, kann ich die Jabar Lodge in Chuini ans Herz legen. Jamal und Mehmedi haben uns  gute Tipps gegeben, täglich ein wunderbares Frühstück gezaubert und viel bei der Organisation geholfen ohne dabei penetrant zu sein und daraus ein Geschäft zu machen. 

Nun ist aber die Zeit gekommen an dem ich Zanzibar verlassen werde. Es wird Zeit, das Land weder auf einfachere Weise zu erleben. 

Nachdem ich Stefan eine Gute Heimreise gewünscht hatte und wir uns verabschiedeten nahm ich also erstmal wieder die Fähre nach Daressalam um auf das Festland zu kommen. 

Das Theater war natürlich wieder vorprogrammiert....Mein Ticket war auf den 15. Dezember ausgestellt, weil ich das genaue Abreisedatum beim Kauf von vor einer Woche noch nicht wusste. Ich könne aber täglich zurückreisen würde mir versichert. 

Kann man schon wenn man Die Fähre nur noch erwischen kann wenn man gefühlte Fünf Officers schmiert.... Ich kam also auf allerletzte Passagierin auf die Fähre und  hoffte einfach nur, dass Arby es auch irgendwie geschafft hatte. 

Denn der wurde mir natürlich vorher schon abgenommen. 

Als ich aber beim Aussteigen neben dem Gepäckraum vorbeilief, sah ich aber Arby dort stehen. 

Front Row, wie sich das gehört. 

Ich war also wieder auf dem Festland und hatte all mein Gepäck und Arby bei mir. 

Ob ich nun legal ausgereist bin, weiss Keiner. 

14.30 sollte ich am Bahnhof sein für mein Zug der um 15.00 losfahren sollte. Ich und gefühlt Tausend andere Reisende warteten den ganzen Nachmittag in der heissen, nach Urin riechenden Wartehalle. Um 18.00 sass ich dann im Zug und er fuhr tatsächlich los.

Erste Klasse heist übrigens zu Fünft in einem Vierbettabteil zu sein. 

Ist ist aber wie eine Reise in die Vergangenheit, denn man kann die Fenster des Zuges noch öffnen. 

Gut rauchen die Afrikaner nicht. Dies wäre sicher auch noch erlaubt. 

Ich habe zu meinem eigenen Erstaunen herrlich geschlafen. 

Das Gewanke des Zuges wiegte mich mal mehr, mal weniger sanft in den Schlaf. 

Ich merkte wie der Zug zwischendurch anhielt und dann wieder weiterfuhr. Als ich am Morgen aufwachte, war die alte, grumpy Frau, die mit mir im Abteil war und an allem rummeckerte verschwunden. Ich hatte absolut ichts von ihrer Abreise mitbekommen, obwohl sie wohl über mich geklettert sein muss, um an ihre Tasche zu kommen. Sie hat sicherlich geflucht... 

Nun bin ich noch mit der Mutter und den zwei Kindern im Abteil. Die Landschaft hat sich sehr verändert. Es ist hügeliger, und grüner. Mann, diese Zugreise ist ohne Scheiss etwas vom coolsten was ich je gemacht habe. Man sieht so viel vom Land. 

Schlimmer als jeder Japaner auf dem Weg nach Grindelwald in der BOB in ich wie gestört am filmen und fotografieren. Die Zugreise ist sehr angenehm. Das Abendessen gestern würde mir in die Kabine serviert und zum Frühstück heute ging ich in den Restaurantwagen. Dann staunte ich nicht schlecht, als ich sogar eine Dusche entdeckte. Es war eine der angenehmsten Duschen, die ich bis jetzt auf meiner Reise angetroffen habe. Ich kann gar nicht genug schwärmen von diesem Zug. Zum Glück habe ich mich dafür entschieden.

Die letzten Tage lief mein Telefon heiss mit Push Warnungen über die Corona Situation im südlichen Afrika. Genau die Länder die ich noch bereisen will, sind davon betroffen. 

Zambia, Zimbabwe, Botswana, Namibia. 

Ich denke aber innerhalb des Kontinents werden Grenzübertritte nicht zum Problem werden und Im April 2022 wenn ich zurückkommen werde, ist die Situation hoffentlich nicht mehr so angespannt. Stand heute, würde ich wohl nur noch aus Tanzania oder den nördlichen afrikanischen Länder wirklich problemlos heimkommen. Aber wer denkt bei diesen Bildern denn bittschön schon ans heimkommen... 


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Kommentare: 2
  • #1

    Stefan (Samstag, 27 November 2021 16:14)

    So cool het das klappet! :)
    Es het gfägt di Sache zäme z erläbe und s wirdmer i schöner Erinnerig blibe. I wünsche Dir gueti Witerfahrt!

  • #2

    Myriam Schläppi (Sonntag, 28 November 2021 13:39)

    Hallo Sandra
    Danke für diese wunderschönen Aufnahmen von Sansibar und der TAZARA! Da werden alte Träume wieder wach. Wie wünschen weiterhin gute Radreise mit vielen schönen Begegnungen und freuen uns bereits jetzt auf einen Afrikavortrag vielleicht im 2022! Es grüssen Martin und Myriam an der Via Alpina.