· 

I won't stop on the only fucking downhill of my life...

Totale Freiheit
Totale Freiheit

Nun war es Zeit um einen echten "Zero-day" zu machen. So fuhr ich nur 5 Km weit aus Keetmanshoop raus auf einen Campingplatz. 

Das Klosterhotel war zwar günstig und bot alles was ich brauchte aber ich  schlafe nicht gut unter einem goldenen Kruzifix und der kitschige, vergoldete Typ sicherlich auch nicht. 

Der Campingplatz war zwar mit 16 Franken auch nicht gerade günstig aber bot einen Pool zur Abkühlung. So verbrachte ich den Nachmittag oft im Wasser und mit Lesen. 

Eigentlich hatte ich vor Heute früh loszufahren, nur habe ich so gut und fest geschlafen, dass es 08:30 wurde, bis ich endlich in die Pedale treten konnte. Es warten 90 Kilometer auf mich. 

Die Landschaft war wie immer und trotzdem kann ich mich nicht sattsehen an dieser trockenen, öden  Wüste. 

Ein kleiner Minibus mit Anhänger stoppte wenig vor mir und winkte mich zum Anhalten. Es war ein offizieller Bus nach Südafrika und Drei Männer und zwei Frauen sassen darin. Sie boten mir an mich bis nach Grünau mitzunehmen. 

Ich nahm dankend an. 

Es war eine unterhaltsame Fahrt- vor allem Alex, der selbst aus Südafrika kommt, gab viele spannende Geschichten von sich preis. 

So war ich unerwartet schon Heute in Grünau und machte es mir auf dem heissen Grünau-Chalets-Campingplatz bequem. Dieser lag direkt neben der Shell-Tankstelle mit Shop. 

Hier in Grünau hatte ich vor einen Hitch zum Fish River Canyon zu ergattern. Der Camping direkt neben der Tankstelle, schien mir aber nicht besonders sicher um Arby einen ganzen Tag - oder noch länger hier zu lassen. So fuhr ich bis zum nächsten Camping, ebenfalls in Grünau. Dieser machte einen seriöseren Eindruck und ich konnte Arby mit gutem Gewissen dortlassen und mich um einen Hitch kümmern. 

Ich lief also zur Verzweigung zu der 100 Kilometer langen Sandstrasse, die zum Fish River Canyon führt. 

Es war erst 08:30 aber schon jetzt sehr heiss. Schatten gibts hier keinen. Trotzdem hielt ich es zweieinhalb Stunden aus. Kein einziges Auto befuhr die Strasse und auch auf der noch ersichtlichen B1 - Hauptstrasse  zählte ich in dieser Zeit nur 10 Autos. 

Dazu kam, selbst wenn mich jemand mitnehmen würde, würde dieser Wagen ziemlich sicher nicht zu meinem Ausgangpunkt zurückkommen, sondern viel wahrscheinlicher nach Keetmanshoop weiterfahren. 

Ich entschied mich die Aktion abzubrechen. Es hat wohl nicht sollen sein. 

Ein Grund mehr also, wiederzukommen.

Dies ist ein Nachteil, wenn man mit dem Velo unterwegs ist, einige Sehenswürdigkeiten sind wohl einfach fast unerreichbar. Ich habe es aber noch keine Sekunde bereut, dieses Abenteuer mit dem Fahrrad zu unternehmen. So nah, kommt man dem Kontinenten Afrika nicht, wenn man mit dem Auto unterwegs ist.

Man spürt das Land und die Menschen. So wie es ist. Ich kann die staubige Wüste riechen. Die Distanzen kann man mit dem Auto nicht spüren. Auch wenn es einem vielleicht auch weit erscheint, es ist kein Vergleich wert. Die Nächte sind kühl - dies merkt man nicht wenn man jeden Abend im Camper oder Zimmer schläft. 

Ich nehme jeden Käfer war, der sich durch die Wüste schleppt, jede Erhöhung der Landschaft, jeden Windstoß. 

Nein ich habe es noch keine Sekunde bereut mit Arby unterwegs zu sein. Auch wenn ich mir vorstellen kann, Afrika Mal noch auf dem Motorrad oder halt eben doch klassisch mit einem 4x4 Jeep mit Dachzelt zu  erkunden. 

Nun warteten aber 140 Kilometer mit Arby auf mich. Dazwischen gibt es Nichts ausser Wüste. Es war landschaftlich für mich aber eine der schönsten Etappe auf meiner Reise überhaupt. Ich liebe die Wüste halt einfach. 

Es ist trocken, staubig und heiss. Eigentlich langweilig und trotzdem wechseln sich Sand- und Steinwüste regelmässig ab. Heute wurde ich von lästigen, schwerfällig Fliegen begleitet. Stets war eine in einem meiner Nasenlöcher oder im Mund wenn ich einatmete. Nur sehr sehr wenige Autos befuhren die Strasse. Die ersten Zwei Stunden in denen ich unterwegs war, sah ich kein Einziges. Ich überlegte mir tatsächlich schon, ob die Grenze zu Südafrika überhaupt geöffnet ist. 

Je näher ich Noordoewer, der Grenzstadt zu Südafrika kam, desto aufregender wurde die Gegend. Es eröffnete mir plötzlich Einsicht in einen Canyon der sich um den Orange River erhebt. Die letzten 30 Kilometer waren abwärts und ich konnte so die Aussicht richtig gut geniessen. 

Eigentlich hatte ich ja vor, Heute nur die Grenze nach Südafrika zu überqueren und nicht viel weiter zu tun. Vor allem aber nicht weiter zu fahren Heute. 

Der Grenzübergang war auch diesmal einfach und schnell. Zum ersten Mal in meiner Afrika-Karriere reichte ein Corona-Schnelltest. Dieser kostete mich nur 9 CHF - somit war er auch der Günstigste. Nach 10 Minuten hatte ich das Negative Ergebnis und den Stempel um Drei Monate in Südafrika zu bleiben. 

Im einzigen Shop in Vioolsdrif konnte ich meine letzte Sim Karte für diese Ferien kaufen und gleich nebenan fand ich die einzige Lodge. Ich konnte es nicht glauben, als die Dame an der Reception mir mitteilte, dass sie für Heute ausgebucht seien. Dies ist mir ja noch nie passiert. 

Es war schön ziemlich spät, kurz vor Mittag. Ich hatte nichts gefrühstückt (weil ich ja Heute nicht weit fahre) und hatte nicht meine Fahrradhosen, sondern meine normalen Shorts an (Weil ich ja Heute nicht weit fahre). Wasser hatte ich zwar gerade noch in der Lodge erbettelt, dies war aber trübe und ich müsste es definitiv Filtern unterwegs. Naja, es sind ja nur 70 Kilometer, dachte ich mir. Gestern bin ich schliesslich das doppelte gefahren. 

So fuhr ich los. Heute war mein strengster und auch emotionalsten Tag von meiner ganzen Reise. Nur nach kurzer Zeit, sah ich das Strassenschild, wo erstmals den Namen Cape Town 678 Km draufstand. 

Mein Ziel also - und es ist nicht mehr weit. 

Man könnte dies in einer Woche schaffen, wenn man ein bisschen durchdrehen möchte... Mit dem Auto ist dies nur eine Tagestour entfernt. Ich weinte vor Emotionen. Vor Freude. Und ja, vielleicht bin ich auch ein bisschen stolz auf mich. 

Die Gegend ist wunderschön und ich steige zwischen den Steinhaufen rund um den Orange River auf. Es war fantastisch. Es war heiss. Kein einziges Lüftchen fühlte ich Heute. Die Fliegen belagerten mich also wieder. Ich keuchte den Berg hoch und bei jedem Einatmen, kitzelten mich in jedem Nasenloch eine und im offenen Mund Drei dieser hartnäckigen Fliegen. 

Es ist soweit. Ich suchte mein Moskitonetze hervor und legte es über. Nun war das Problem der Fliegen, zwar einigermassen gelöst aber unter dem synthetischen Netz noch heisser als zuvor. 

Ich war langsam und es fühlte sich an als käme ich überhaupt nicht vom Fleck.  

Da bin ich nun in der offenen Wüste von Südafrika. Mein Wasserkonsum musste ich etwas nach unten korrigieren. Sonst werde ich zu wenig davon haben. Bald fing ich an das Wasser von der Lodge zu filtern. Ich hätte gleich alles auf einmal trinken können, nur ist mir absolut nicht wohl, wenn ich kein Wasser mehr bei mir habe. Nur schon der Gedanke eine Panne mit Arby zu haben in der brütenden Hitze ohne Wasser, machte mir Angst. Wer mich kennt, der weiss, das einzige wovor ich wirklich Angst habe im Leben ist nicht genügend Wasser bei mir zu haben. 

Mit Einteilen wirds aber schon gehen, wenn auch knapp. Dies Strecke zog sich unendlich hin Heute und alles führte bergauf. Ich überlegte, ob ich doch noch meine gepolsterten Hosen anziehen sollte, dachte aber für die wenigen Kilometer, die noch verblieben würde es schon gehen. 

Ich freute mich auf die letzten Sieben Kilometer. Anscheinend sollen diese runter gehen. Als ich diesen Punkt erreichte, fühlte ich den stärksten Gegenwind meiner Reise. Ich schwöre, wenn ich nicht gestrampelt hätte, wäre ich stehengeblieben und dies abwärts. 

Das Dorf Steinkopf konnte ich zwar schon erkennen, aber es waren die längsten Sieben Kilometer meines Lebens. Dort dann doch endlich angekommen, kaufte ich mir Wasser. Nachdem ich Literweise davon getrunken hatte, konnte ich auch wieder klar denken. Ich machte ein "Rennen" mit zwei afrikanischen Kids auf BMX Bikes. Es scheint, als wäre Steinkopf so richtig "schwarz" . Als ich bei einem ATM Geld rauslasen wollte, belästigt mich ein zahnloser Betrunkener. Zwei Männer, die ebenfalls am ATM in der Schlange standen, beobachteten mich und hätten eingegriffen, wenn was schiefgelaufen wäre. 

Das liebe ich so an Afrika. Ja es gibt einige Verrückte hier (wie überall) aber es wird zu einem geschaut. Ohne Abmachung. Das ganze läuft mit einem Blick ab. 

"Hey can you please watch this situation?" 

"No worries, I'm here" 

So ungefähr. Wenn ich einen Laden betrete und Arby (wenn auch abgeschlossen) draussen stehen lasse,  schaue ich mich um, bis ich jemanden sehe, der mir sympathisch ist und deute ihm, ob er ein Auge auf Arby hat. So läuft das hier. Sicherer als jedes Schloss. 

Alles in Allem war ich aber etwas enttäuscht von Steinkopf. Es ist nicht unbedingt ein Ort um mehrere Tage zu bleiben. 

Ich kam in der einzigen Lodge von Steinkopf unter. Die Besitzerin heisst Letiza und stellte mir ein schönes Zimmer zur Verfügung. Ich duschet und legte mich bald darauf hin schlafen. 

Am nächsten Morgen fühlte ich mich aber zu meinem eigenen Erstaunen fit genug um die 50 Kilometer bis nach Springbok zu radeln. 

Auch Heute war die Landschaft einfach überwältigend. Die Strasse führte auch wieder hinauf aber die Gegend entschuldigte dies allemal. 

Dann konnte ich tatsächlich, ich würde sagen meine längste und steilste Abfahrt meines Trips geniessen. Ein Bus überholte mich und hielt wenig später am Strassenrand an und wollte mich stoppen. 

Wahrscheinlich wollten sie nur mit mir reden. Ich rief ihnen aber " I won't stop on the only fucking downhill of my life".....

Ja, denn schon bald darauf - wieder ein Aufstieg nach Springbok. Erst konnte ich mich mit der Stadt nicht so recht anfreunden. Zum ersten Mal gibt es sogar eine Nord und eine Süd-Ausfahrt. Der Town mit den Unterkünften ist aber im Südteil. 

Ich fand eine schöne aber auch recht teure Lodge. Nach all den Strapazen und dem vielen Camping in der letzten Zeit, gönne ich mir diese aber. Springbok ist ein gut organisierter Town. Man findet alles was man braucht und ich freundete mich schnell mit ihm an. Ich blieb noch eine Nacht länger hier. Wechselte aber die Lodge. Zwar war diese nur wenig günstiger aber das Zimmer war echt luxuriös und direkt unterhalb einer dieser schönen Steinberge, die Springbok umrahmen. 

Ich machte eine kleine Wanderung auf diesen Berg. Zwar konnte mir niemand sagen, ob man dort hinaufwandern kann, ich sah aber sofort, dass ein Kreuz oben auf dem Gipfel war. Irgendjemand musste dies ja irgendwann mal dort raufgetragen haben. Nur etwa eine Stunde nach Abmarsch war ich oben angekommen. Ich genoss eine beeindruckende 360 Grad Aussicht und konnte mir so einen Überblick meiner momentanen Gegend verschaffen. 

Ich bin zwar erst wenige Tage in Südafrika, aber landschaftlich gesehen, hat es sich für mich schön gelohnt. Mir gefällt es endlich wieder Erhebungen der Erde zu sehen (Berge kann man das nicht nennen). Auch die Menschen gefallen mir sehr. Viele halten auf der Strasse an und wollen einfach meine Geschichte hören. Wenn ich in einer Lodge oder Laden bin, hat mich meist jemand auf der Strasse überholt und spricht mich an. Alle sind unglaublich nett und freundlich. 

Den Rest des Tages verbrachte ich mit Lesen  am Pool. 

Nach diesen Zwei Tagen in Springbok, fühlte ich mich wieder bereit weiter zu fahren. 

Hier in Südafrika werde ich nun nicht mehr so endlos lange Etappen fahren müssen. Dafür ist es hügeliger und dadurch auch anstrengender. 

Als ich Heute Morgen losfuhr war es ziemlich kühl. Wenn ich nicht gerade hochgefahren bin, hatte ich mir tatsächlich für einen kleinen Moment überlegt, mein Longsleeve anzuziehen. Nun bin ich in Kamieskroon, einem kleinen Dörfchen. 

Es sind nur noch etwa 500 Kilometer bis nach Cape Town ich nehme mir vor diese noch in vollen Zügen zu geniessen und voll auszukosten. 

Es reizt mich nämlich gar nicht nach Hause zu kommen, wenn ich so die Nachrichten aus Europa lese.... 

Da soll mir noch mal Einer sagen AFRIKA sei gefährlich.... 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Germaine (Dienstag, 01 März 2022 17:57)

    ..stolz auf dich darfst du definitiv sein!! :)
    Liäbs Grüässji va Däheimu

  • #2

    Henelien (Dienstag, 01 März 2022 19:44)

    Welcome to South-Africa ��